Debian Systeme "abspecken"

Linux Debian System

In diesem Dokument soll es etwas um die Wartung und Pflege eines Debian-Systems gehen. Dabei werden hier ein paar Progrämmchen vorgestellt, mit denen man das System etwas schlanker machen und entschlacken kann. Denn oft genug wird sorglos Software installiert und nicht genutzt bzw. vergessen, dass man sie noch installiert hat. Besonders problematisch ist das, wenn man mehrere Programme hat, die die gleichen Bibliotheken benutzen. Interessant sind die hier vorgestellten Programme auch für Rechner mit kleiner Festplatte, wo man keinen Platz zu verschenken hat. Die hier beschriebenen Tätigkeiten müssen als user root ausgeführt werden, da das Paketmanagement von Debian gesteuert wird. Ich empfehle Anfängern, lieber auf diese Prozeduren hier zu verzichten, da man, etwas Ungeschick vorausgesetzt, seinem Linux nicht nur Gutes tun kann.

Überflüssige Bibliotheken loswerden

Auf vielen Linux-Systemen sind einige ungenutzte Bibliotheken installiert. Diese können mit deborphan gefunden werden. Deborphan kann wie gewohnt mit apt-get installiert werden und liefert beim Aufruf eine Liste überflüssiger Bibliotheks-Pakete. Man kann also ganz nett mit

apt-get remove $(deborphan)

diese Pakete deinstallieren.

Anwendungs-Auslese mit debfoster

Debfoster wird mit "apt-get install debfoster" installiert. Es handelt sich um ein Programm, welches sich die Abhängigkeiten der installierten Debian-Pakete anschaut. Dabei kann man Pakete finden, die viele andere Pakete durch Abhängigkeiten installiert halten. Debfoster fragt dann, ob man dieses Paket bzw. Programm wirklich benötigt. Falls nicht, kann das Programm in der Regel zusammen mit den angezeigten Paketen deinstalliert werden. Da dies einen nicht unwesentlichen Einschnitt bedeutet, wenn man die falschen Pakete auswählt, ist hier Vorsicht geboten! Im Zweifelsfall sollte man mit einem Druck auf die Taste i (oder mit "apt-cache show Paketname") nachschauen, wofür dieses oder jenes Paket gut ist. Gestartet wird debfoster einfach durch die Eingabe von

debfoster

in der Konsole. Dann beginnt das Frage- und Antwortspiel. Durch Eingabe von "h" bekommt man jederzeit eine Hilfe zu den einzugebenden Kommandos. Hier nochmal eine kurze Liste:

 

Taste   Funktion
y Paket behalten. (Standardeinstellung)
n Aktuelles Paket (und nur dieses) entfernen.
p Das aktuelle Paket und die davon abhängigen Pakete, die von keinem anderen Paket abhängen, deinstallieren.
s Diese Abfrage überspringen.
h Hilfe anzeigen
i oder ? Zeige Informationen zu dem entsprechenden Paket an.
u Mache die letzte Entscheidung rückgängig.
q Beende debfoster ohne Pakete zu deinstallieren.
x Unerwünschte Pakete entfernen und debfoster beenden.

 

Es ist also möglich, die Abfrage einzelner Pakete zu überspringen. Dies macht Sinn, denn debfoster schreibt die eingegebenen Entscheidungen in seine Konfigurationsdatei "/var/lib/debfoster/keepers" für spätere Abfragen. Daher sollte man nur solche Pakete in diese Datei aufnehmen, von denen man ziemlich sicher weiß, dass man sie nicht haben will oder auf jeden Fall haben will. Bei den Abfragen wird man merken, dass irgendwann immer weniger Pakete von dem abgefragten Paket abhängen. Ab einem gewissen Punkt könnte es daher uninteressant und müßig sein, für einzelne Pakete (von denen vielleicht kein einziges abhängt) zu entscheiden, ob es entfernt werden soll. In einem solchen Fall würde man die Prozedur durch Eingabe von "x" etwas beschleunigen, sofern man debfoster nur einmalig verwenden möchte. Denn sonst fragt debfoster beim nächsten Aufruf weiter. Nach dem Frage- Antwort-Spiel wird dann nochmal angezeigt, welche Pakete deinstalliert werden sollen. Diese Liste sollte man sich nochmal gut durchlesen, um sicher zu stellen, dass dort nicht Pakete dabei sind, die man vielleicht doch benötigt. Erst nach einer Bestätigung mit "y" werden die Pakete entfernt. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass entgegen der Standard-Einstellung bei Debian auch die Konfigurationsdateien der Programme entfernt werden. Möchte man ein Programm später noch einmal installieren und nicht erneut konfigurieren, so empfiehlt sich das Sichern der Konfiguration. Alternativ kann man debfoster mit

debfoster --option RemoveCmd="apt-get remove"

aufrufen. Dabei wird dann von der Vorgabe "apt-get --purge remove" abgewichen. Hierbei wird aber die Konfiguration aller zu deinstallierenden Pakete behalten. Wenn man debfoster öfter verwendet, wird das jedoch etwas nervig, so dass es sich lohnt, in der Konfigurationsdatei /etc/debfoster.conf die Zeile

# RemoveCmd = apt-get --purge remove

durch

RemoveCmd = apt-get remove

zu ersetzen. Dann kann man sich das Eintippen dieser Option ersparen, wobei dann als Standard-Einstellung immer die Konfigurationen der Pakete behalten werden.

Um das System auf Dauer schlank zu halten, kann man zur Installation und Deinstallation von Paketen ebenfalls debfoster verwenden. Dabei verwendet man statt des apt-get Kommandos einfach debfoster. Als Beispiel installiert man den VNCViewer mit

debfoster xvncviewer

, wobei andere benötigte Pakete auf Wunsch gleich mit installiert werden. Dabei aktualisiert debfoster auch gleich seine Datenbank der erwünschten bzw. unerwünschten Pakete. Bei Eingabe von

debfoster xvncviewer-

wird nicht nur das angegebene Paket zur Deinstallation vorgeschlagen, sondern auch gleich alle diejenigen Pakete, für die man ohne den VNCViewer keine Verwendung hat. Man kann sich übrigens sehr schön mit dem Kommando

debfoster --show-keepers

die aktuelle Konfiguration von Debfoster anschauen. Dabei werden zuerst die Pakete aufgelistet, die behalten werden sollen, und dann diejenigen, die man nicht haben will.

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