Rechner mit USB Laplink verbinden

 Zielgruppe: Fortgeschrittene 

Schon mal zwei Rechner OHNE Netzwerkkarte verbunden? USB Laplink (oder "host-to-host-") Kabel bieten dazu eine recht einfache Möglichkeit, ohne die Rechner aufschrauben zu müssen.

Vor der Erfindung von USB hat man Rechner mit wenigen Schnittstellen schon mal mit einem seriellen Nullmodemkabel verbunden. Damit waren zwar keine hohen Übertragungsraten zu erwarten, aber immerhin konnte man fast alle Rechner miteinander verbinden, denn eine serielle Schnittstelle hatte ja eigentlich jeder Rechner. Auch heute noch haben normale PCs diese Schnittstelle, aber ihr Aussterben ist vorprogrammiert und auch die Übertragungsrate im Vergleich zu anderen Schnittstellen ist gering. Die USB Schnittstelle verspricht vor allem in der aktuelle Version 2.0 eine Übertragungsrate schneller als Firewire und eine recht einfache Handhabung, weil man alle Geräte - zumindest theoretisch - im laufenden Betrieb anstöpseln und rausziehen kann.

Kauftipps

Laplink Kabel für USB sind eigentlich GERÄTE und nicht einfach nur Kabel. Es ist immer ein Chip notwendig, um zwei Rechner via USB zu verbinden. Dies sollte man im Auge behalten, bevor man in den Laden geht. Wer dies nicht beachtet und direkten Kontakt zwischen zwei Rechnern herstellt, der nimmt entsprechende Kurzschlüsse und Schäden an der Hardware in Kauf! Für USB 1.1 habe ich neulich ein Laplink Kabel für ca. 10 Euro auf'm Grabbeltisch gesehen, die Variante für USB 2.0 gibt's in der Regel für so etwa 25 Euro. Ob ein entsprechendes Gerät Linux-tauglich ist, erfährt man durch Fragen, auf dieser oder jener Seite. Die Investition kann man eigentlich nur rechtfertigen, wenn man als Admin öfter mal auf unbekannte Rechner stößt, die man kurzzeitig miteinander verbinden muss. Notebooks haben heute Netzwerkschnittstellen und für sein Heimnetzwerk sind billige Netzwerkkarten mit Realtek Chipsatz plus Kabel besser geeignet und vor allem günstiger. Nur bei der USB 2.0 Variante kann man einigermaßen vernünftige Übertragungsraten erwarten.

Installation

Die hardwareseitige Installation beschränkt sich auf das Einstöpseln des USB-Kabels bei beiden Rechnern.

Konfiguration

Die folgenden Schritte gelten für beide verbundenen Rechner: Zunächst einmal braucht man ein laufendes USB-System. Wer die passenden Kernelmodule geladen hat, der kann zum Beispiel mit USBView das neue Gerät als USB Bridge erkennen. Das von mir getestete USB 1.1 Kabel von Digitus machte keinerlei Probleme. Benutzt man ein Linux, bei dem keine(!) hotplug-Dienste laufen (z.B. Debian woody), dann lädt man selbst den usbnet Treiber als root mit

modprobe usbnet

Bei aktuellen Suse Versionen erübrigt sich dieser Schritt, weil der hotplug-Dienst erkennt, von welchem Typ das Gerät ist und automatisch den usbnet Treiber lädt. Wie man nun ein Netzwerk konfiguriert, hat Martin in einem seiner Artikel erklärt:

ifconfig usb0 192.168.1.1 netmask 255.255.255.0 up
route add -net 192.168.1.0 netmask 255.255.255.0 usb0

Der Unterschied zu einem Ethernet-Gerät besteht darin, dass man hier "usb0" statt "eth0" angibt. Für beide Rechner an den Enden des Kabels verwendet man natürlich unterschiedliche IP-Adressen. Hat ein Rechner zusätzlich noch Ethernet-Anschlüsse, dann verwendet man für usb0 IP-Adresse eine, die sich von eth0 Adressen in mindestens einer der ersten drei Zahlen unterscheidet. So gibt es keine Probleme. Die usb0 IP-Adressen der beiden Rechner dürfen sich nur in der letzten Zahl unterscheiden. Also etwa 192.168.101.1 und 192.168.101.2 aber nicht 192.168.101.1 und 192.168.102.2.

Hat man dies bei beiden Rechern durchgeführt, dann kann man die Verbindung mit einem

ping 192.168.1.1

testen. Damit ist nun die Verbindung hergestellt, wobei allerdings noch keine Dienste zur Verfügung stehen. Sollte dies nicht funktionieren, kann ein Blick auf eine eventuelle Firewall-Konfiguration helfen. Um die Konfiguration der Schnittstelle wieder rückgängig zu machen, tippt man einfach

route del -net 192.168.1.0 netmask 255.255.255.0 usb0
ifconfig usb0 down

ein. Das Kernelmodul wird man durch Eingabe von

rmmod usbnet

als root wieder los. Der Vorteil des Laplink Kabels liegt unter anderem darin, dass sich die Verbindung wie eine ganz normale Netzwerkverbindung verhält und man alles damit machen kann, was auch über ein "normales" Netzwerk möglich ist. Dazu gehören zum Beispiel SSH und NFS Dienste.