Partimage - Backups ganzer Partitionen

Linux Partimage - Backups ganzer Partitionen

Es gibt wirklich nahezu unendlich viele Möglichkeiten, Sicherheitskopien zu erstellen. Wer über genug Platz verfügt, kann mit Partimage eine recht schnelle und einfache Sache daraus machen, indem er/sie einfach komplette Partitionen in Image-Dateien sichert und dabei vollständige Backups erstellt, die den Systemzustand als Ganzes sichern. Bei einfacheren Lösungen etwa mit dd (disk dump) werden leider ALLE Bits und Bytes der Partitionen gesichert, was aber nicht nötig ist, da ja in der Regel nur ein Teil der Partitionen von wirklichen Nutzdaten belegt ist.

Partimage stellt sich beim Backup sehr geschickt an. Es liest erstmal die geheimnisvollen Informationen aus dem Dateisystem und findet auf diese Weise raus, wo in einer Partition überhaupt Daten vorhanden sind. Diese Nutzdaten werden dann gesichert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Image-Datei wird kleiner und das Bussystem des Rechners wird entlastet, denn es werden weniger Daten durch den Rechner geschaufelt. Es geht also schneller! Leider darf man die zu sichernde Partition nicht gemountet (also eingebunden) haben, da Partimage auf unterster Ebene liest. Es übernimmt hier Funktionen, die sonst im Betriebssystem eingebaut sind. Ein weiterer Vorteil von Partimage ist die große Anzahl unterstützter Dateisystemtypen.

Beschaffung

Partimage gibt es auf der entsprechenden [LINK:START:358]Homepage[LINK:END] zum Download. Besonders schick ist die [LINK:START:359]SysRescCD[LINK:END], auf der Partimage mit dabei ist. Wenn man diese auf eine CD-Rom brennt, kann man eigentlich direkt loslegen und hat auch noch eine Notfall-CD im Regal, die auf Gentoo Linux basiert und ziemlich gut gemacht ist. Durch die Verwendung dieser CD-Rom wird diese Beschreibung hier ganz nebenbei auch distributionsunabhängig.

My first Backup

Am einfachsten kommt man zum Ziel, wenn man die SysRescCD einschiebt. Im Prinzip wird man beim Start nur einmal belästigt, wenn es um die Tastatureinstellung geht. Hier tippt man die 10 für die deutsche Tastatur ein, falls man diese haben will. Der Rest läuft automagisch.

Als nächstes mountet man eine Partition mit genug Platz, auf der die Image-Dateien gespeichert werden sollen:

mount /dev/hdb10 /mnt/temp1

Die Gerätedatei (/dev/hdb10) ist individuell und bei Unsicherheit sollte man vielleicht doch erstmal unseren [DOC:START:20]Artikel zu Gerätedateien und Laufwerksbezeichnungen[DOC:END] etc. lesen. Im Zweifelsfall hilft auch

fdisk -l /dev/hdX

Wobei sich X nach der gewünschten Festplatte richtet.

Nachdem man die entsprechende Partition eingebunden hat, muss man nur noch partimage starten. Am einfachsten geht das meiner Meinung nach über die Kommandozeile. Dabei kann man sich aussuchen, wie stark das Image komprimiert werden soll. Zur Auswahl stehen in der Regel die Optionen -z0 (keine), -z1 (gzip), -z2 (bzip2). Es versteht sich von selbst, dass eine bessere Kompression mehr Rechenzeit und damit ein langsameres Backup bedeutet. Gzip ist hier also ein guter Kompromiss. Mit der Option -b erreicht man, dass die semigrafische Oberfläche keine Fragen stellt und mit -d unterdrückt man das Erzeugen eines beschreibenden Textes, der im Image gespeichert wird und dazu dient, dass man auch später noch weiß, was man gesichert hat. Wenn man bei der Vergabe der Dateinamen für die Images aber vernünftig ist und nur einen oder wenige Rechner verwaltet, kommt man auch ohne aus. Unter Verwendung dieser Optionen kann man ganz leicht eine Partition (hier /dev/hda2) sichern:

partimage -z1 -b -d save /dev/hda2 /mnt/temp1/hda2.img.gz

Partimage hängt eine dreistellige Zahl ans Dateiende an, um ein aufspalten der Dateien zu ermöglichen. Wann und wie die Image-Dateien aufgespalten werden sollen, damit man diese beispielsweise auf eine CD-Rom brennen kann, gibt man mit entsprechenden Optionen an. Man verwendet einfach zusätzlich die Option "-V650", wobei die Zahl für größer der Images in MB steht. In der Hilfe von partimage steht etwas von KB, aber dies scheint offensichtlich keine Gültigkeit zu haben. Das Restore läuft wie sonst auch.

Wer ein altes Image überschreiben will, gibt zusätzlich -o an und wem das alles zu kompliziert ist, der kann sich auch gern mit der semigrafischen Oberfläche beschäftigen, die man bekommt, wenn man einfach nur

partimage

eintippt. Hier werden dann alle Einstellungen in semigrafischen Dialogen vorgenommen. Allerdings ist das nervig, wenn man mehrere Partitionen hintereinander weg sichern will. Der Batch-Modus ist interessant für Leute, die schreibfaul sind und gerne Kaffee trinken. Mit

for nr in 1 2 3 6 7 8 ; do partimage -z1 -b -o -d save /dev/hda$nr /mnt/temp1/hda$nr.img.gz ; done

sichert man in einem Rutsch die Partitionen hda1 bis hda3 und hda6 bis hda8 ohne jede weitere Interaktion. Die Partitionsnummern kann man sicherlich auch in einem kleinen Script aus der Ausgabe von fdisk rausfummeln.

Restore üben

!!!!ACHTUNG: Das Ausführen der Restore-Funktion von Partimage kann bei unsachgemäßem Anwenden wichtige Daten zerstören!!!!

Nicht nur das Sichern ist wichtig, sondern auch das Rückspielen der Daten. Dies sollte man im Idealfall üben, falls man mutig genug ist oder schlau genug, eine andere Partition zum Üben zu verwenden. Idealerweise hat man sich die Rückspiel-Befehle gleich auf einem Zettel notiert, der neben der SysRescCD liegt.

Das Rückspielen der Daten ist im Prinzip genauso einfach. Mit

partimage restore /dev/hda2 /mnt/temp1/hda2.img.gz

spielt man die Daten aus der Image-Datei wieder zurück auf die Partition. Dabei sollte man beachten, dass es nicht möglich ist, die Daten in eine kleinere Partition zu speichern, als die aus der man sie rausgeholt hat. Auch macht es keinen Sinn, sie in einer größere Partition zurück zu spielen, weil der restliche freie Platz nicht von dem dann erstellten Dateisystem genutzt werden kann. Man ist hier also im Wesentlichen auf das Rückspielen in Partitionen der alten Größe eingeschränkt, was aber nicht weiter weh tut. Sehr schön finde ich, dass man auch einfach den Master Boot Record (mbr) aus einer gesicherten Partition wieder herstellen kann. Das geht ganz einfach mit

partimage restmbr /mnt/temp1/hda2.img.gz

wobei man dann in einem Dialog gefragt wird, ob man nur den Bootloader, die Partitionstabelle oder beides zurück haben möchte und auf welche Partition das soll. Ein sehr schönes Feature.

Willst du mehr? Hast du vielleicht nicht genug Platz auf deiner Platte für die Backups, dafür aber auf einem anderen Rechner? Vielleicht musst du auch gleich mehrere Rechner verwalten. Dann ist sicherlich ein Backup-Server, den man mit Partimage bauen kann, interessant für dich. Einen Artikel dazu findest du [DOC:START:237]hier[DOC:END].

Artikelbewertung: 
No votes yet
War dieser Artikel hilfreich?